Die Angst etwas zu verpassen – der Popkultur eine Heimat geben.

Ein Einblick in Kurppa Hosks Methode der «Business Artestry», die aus freien, experimentellen Kunst-Projekten gewonnene Erkenntisse in kommerziellen Projekten für große Unternehmen mit komplexem, strategischem Fundament zu neuen, disruptiven Ergebnissen führt und zum Teil tiefergreifendes Umdenken befruchtet – und umgekehrt.

Der erste Vortrag der CXI 19 von Thomas Kurppa, Creative Director und Marcus Stenberg, beide von der in Stockholm und New York ansäßigen Design Agentur Kurppa Hosk mit ihrem Auftraggeber zeugt von einer langjährigen, freundschaftlichen und vertrauensvollen Zusammenarbeit. «Do whatever you want. Do crazy stuff», bestätigt der Galerist und Kurator Jonas Kleerup, der seit 2006 vielfältige Kunst- und Popkultur-Unternehmungen initiert. Das aktuelle Projekt mit dem Künstler Pontus Djanaieff wurde eher lose als Idee statt eines richtigen Briefings an die Agentur formuliert: eine Online-Video-Community ins Leben zu rufen, die mit dem Phänomen Fear of missing out arbeitet – die Angst der heutigen Generationen etwas vom gleichzeitig und jederzeit zur Verfügung stehenden (Online-)Angebot zu verpassen.

 

 

Mit der von Kurppa Hosk entwickelten Methode der «Business Artistry» konzipierten die Designer parallel zum Corporate Design das Geschäftsmodell – eine Streaming-Plattform, die Dokumentationen, Interviews und Mitschnitte von Filmen, Musikvideos, Happenings, Festivals u.v.m. aus der Kunstszene und Popkultur zur Verfügung stellt.

 

Die Haltung der Designer: «If it is an art project or for a large company, the value we can bring is to combine the strategic and the creative insights.» Die aus den freien, experimentellen Kunst-Projekten gewonnene Erkenntisse führen in kommerziellen Projekten für große Unternehmen mit komplexem, strategischem Fundament zu neuen, disruptiven Ergebnissen und befruchten zum Teil tiefergreifendes Umdenken – und umgekehrt. Das schätzen die Auftraggeber von Kurppa Hosk sehr.

 

 

Bei der Gestaltung des Erscheinungsbildes für die Streaming-Plattform galt es – nicht wie bei Galerien üblich – den Inhalten die Bühne zu überlassen, sondern genauso visuell stimmulierend aufzutreten. Kurppa Hosk entwickelten dafür einen extrem minimalistisch ausgestatteten Baukasten, um maximale Freiheiten für den Einsatz des Corporate Designs zu ermöglichen. Das Logo besteht aus grafischen Grundelementen: Die Buchstaben F und M wurden zu Balken reduziert, die zwei Os mit Processing grafisch animiert. «We basically took the Adidas stripes and did something new», scherzt Thomas Kurppa. Die in vielen verschiedenen Varianten animierten Kreise wirken wie pulsierende Diskokugeln oder hypnotisierende Augen, ziehen den Betrachter hinein. Das zweite Gestaltungselement im Baukasten: Typografie. Die Neubau International und KH Grotesk in rot, schwarz und weiß. «All can be changeable, just the logo stays consistent.», erklärt Thomas Kurppa. Die Markenkommunikation gestalten die Designer in der Retro-Ästhetik von VHS-Kassetten mit Punkte-Grafiken, analogen RGB-Film-Effekten und verzerrter, geometrischer Typografie als Zitat zu den Anfängen des Digitalen Zeitalters. Trotz weniger festgelegter Assets entsteht ein konsistentes und elektrisierend lebendiges Erscheinungsbild, das derzeit auch auf die Gestaltung der Online-Plattform übertragen und weiterentwickelt wird. Demnächst auf fomo-tv.com zu bestaunen.


Text: Christine Wenning | 1. Juli 2019 | Fotos: Julius Stuckmann | CXI 19