Expressive Logos bis fast kein Design – starke Kontraste auf der CXI in Bielefeld.


Von Amsterdam, Berlin, Frankfurt a.M., Hamburg, Kopenhagen, New York, Stockholm bis Zürich: Europas größte Corporate Design Konferenz holte wieder erstklassige nationale und internationale Branding Projekte auf die Bühne.

Am 23. Juni war es wie­der soweit. Auf der neun­ten CXI freu­ten sich knapp 800 Besu­che­rin­nen und Besu­cher inter­na­tio­na­le Agen­tu­ren, sowie klei­ne­re Design Büros zusam­men mit ihren Auf­trag­ge­bern zu erle­ben. Beleuch­tet wur­den unter­schied­lich gro­ße Mar­ken und Erschei­nungs­bil­der.

 

Die The­men:
Wie lässt sich etwas kom­mu­ni­zie­ren, dass es noch nicht gibt? Was bringt Kun­den dazu für die glei­che Dienst­leis­tung mehr Geld aus­zu­ge­ben? Wie kann man dafür sor­gen, dass ein Muse­um trotz Teil­schlie­ßung und Bau­stel­le wei­ter gut besucht wird? Wie schafft man ein anti­au­to­ri­tä­res Erschei­nungs­bild? Wie kann eine Mar­ke von Innen her­aus erneu­ert wer­den, ohne die Rei­bungs­flä­che Agen­tur? Und wie ver­spielt darf ein Cor­po­ra­te Design sein, um als Start-up von gro­ßen Kun­den ernst­ge­nom­men zu wer­den?

 

Bold ver­half der Air­line SAS zu neu­en Höhen­flü­gen. Dank der stra­te­gi­schen Neu­aus­rich­tung und des Re-Designs der Mar­ke. Mit einem Fokus auf einer klei­nen Ziel­grup­pe, die bereit ist für Sta­tus­sym­bo­le mehr Geld aus­zu­ge­ben, hob man sich mit einem umfang­rei­chen, hoch­wer­tig gestal­te­tem neu­en Erschei­nungs­bild vom preis-güns­ti­ge­ren Wett­be­werb ab und zahlt in eine ein­deu­ti­ge Asso­zia­ti­on als Pre­mi­um Flug­ge­sell­schaft ein. Die Kam­pa­gne betont emo­tio­na­le Wer­te des Unter­neh­mens mit dem Slo­gan »We are Tra­velers« und setzt stolz Pas­sa­gie­re sowie Pilo­ten und Flug­per­so­nal in Sze­ne, die als Gemein­schaft der Rei­sen­den die Iden­ti­fi­ka­ti­on mit der Mar­ke schaf­fen.  

 

Arndt Bene­dikt gestal­te­te einen ver­spiel­ten Mar­ken­auf­tritt für die Inno­va­ti­ons­be­ra­tung Future Can­dy. Das Start-up befasst sich mit den The­men der Digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on und ermög­licht es Unter­neh­men Zukunfts­pro­jek­te umzu­set­zen. Mit pop­pi­gen Far­ben, einem iso­me­tri­schen Logo, ani­mier­ten Pik­to­gram­men und gra­fi­schen Mus­tern sowie dem Claim »We are the digi­tal trans­for­ma­ti­on engi­ne« wird der Kern der Mar­ke auf den Punkt gebracht. Seit der Zusam­men­ar­beit mit der Agen­tur, kom­men immer neue Pro­jek­te auf die Tische der Desi­gner, sowie neue Auf­trä­ge von Unter­neh­men bei Future Can­dy. Das Start-up wächst.

 

Das Design Manage­ment Team von Senn­hei­ser über­ar­bei­te­te das Cor­po­ra­te Design Inhou­se, nach einem inter­nen Umbau der Unter­neh­mens. Der Mikro­fon- und Kopf­hö­rer-Sys­te­me-Her­stel­ler gestal­tet damit nicht nur sei­ne Pro­duk­te selbst, son­dern nun auch die Mar­ke, die an man­geln­der Kon­sis­tenz litt. In kur­zen Fil­men wur­den die Mar­ken­vi­si­on und ein neu­es Cor­po­ra­te Design vor­ge­stellt, dass behut­sam wei­ter­ent­wi­ckelt wur­de und die Mar­ke stärkt. Der ehe­mals als Geschäfts­füh­rer bei Heine/Lenz/Zizka ange­stell­te Desi­gner Finn Fuka­za­wa erläu­te­re, wel­che Vor­tei­le der Inhou­se Desi­gner gegen­über der beauf­trag­ten Agen­tur genießt. Neben mehr Kom­mu­ni­ka­ti­on und Orga­ni­sa­ti­on, die im Unter­neh­men nötig sind, zeig­te er Pro­jek­te, die unter der Feder­füh­rung der Design Mana­ger ent­stan­den sind wie dem Senn­hei­ser HE 1 oder einem Pop-up-Store in New York.

 

Khanna\Reidinga hauch­te MOIA, dem neu­en inno­va­ti­ven Pro­jekt von VW Leben ein. Das Pro­dukt­kon­zept: Mit­ein­an­der ver­netz­te Car-Pools sol­len die Men­schen in Zukunft durch den urba­nen Ver­kehr beför­dert, mit eigens dafür kon­zi­pier­ten, auto­no­men Fahr­zeu­gen. Im Naming Pro­zess wur­de der Name erfun­den, eine Wort­spiel mit meh­re­ren Ebe­nen – Maya bedeu­tet Magie in Sans­krit. Ein offe­nes, dyna­mi­sches Cor­po­ra­te Design mit einem futu­ris­ti­schen Schrift­zug und eini­gen weni­gen Gestal­tungs­ele­men­ten bil­det die Grund­la­ge für zukünf­ti­ge Anfor­de­run­gen der Mar­ke.

 

Heine/Lenz/Zizka betreu­te die Ham­bur­ger Kunst­hal­le wäh­rend der Sanie­rung des Gebäu­des  und gestal­te­te eine umfang­rei­che 360-Grad-Kam­pa­gne inklu­si­ve Inte­rims-Cor­po­ra­te Design. Ziel war es Besu­cher trotz Bau­stel­le in das Muse­um zu locken. Mit einem auf­fäl­li­gen, gel­ben Stö­rer und dem Mot­to »Wei­ter offen« wur­de die Bau­äs­the­tik zum Gestal­tungs­kon­zept erho­ben und spiel­te eine tra­gen­de Rol­le, um Aktio­nen, Soci­al Media, Aus­stel­lun­gen, Leit­sys­tem zu kom­mu­ni­zie­ren. Das alte Cor­po­ra­te Design der Ham­bur­ger Kunst­hal­le wur­de wäh­rend des Umbaus erneu­ert. Eine neue Wort­mar­ke mit einem modu­la­res Lay­out-Sys­tem und einer fle­xi­blen Farb­aus­wahl setz­te das Muse­um nun­mehr als Kul­tur­mar­ke ins rech­te Licht. Mit einer Kam­pa­gne zur Wie­der­eröff­nung kom­mu­ni­zier­te man »Die Kunst ist zurück« mit dem Eröff­nungs­da­tum und setz­te Meis­ter­wer­ke im städ­ti­schen Raum über­le­bens­groß in Sze­ne. Das Logo und der Absen­der wur­den dabei nicht kom­mu­ni­ziert, um die Span­nung zu stei­gern. Mit gro­ßem Erfolg:  Die Ham­bur­ger Kunst­hal­le wur­de zum Stadt­ge­spräch und ver­zeich­ne­te Rekord-Besuchs­zah­len.  Dank des neu­en Cor­po­ra­te Designs wird das Muse­um als natio­nal und inter­na­tio­nal bedeu­ten­de Kul­tur­mar­ke wahr­ge­nom­men.

 

Gre­tel setz­te sich mit sei­nem Auf­trag­ge­ber Vice Media, Her­aus­ge­ber des Life­style und (Sub-)Kultur Maga­zins Vice zur visu­el­len Iden­ti­tät des neu­en TV Sen­ders Vice­land aus­ein­an­der.  Ein mög­lichst unge­stal­te­tes Erschei­nungs­bild für das On-Air Design und diver­se Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel des Sen­ders soll­te gefun­den wer­den. Dafür stimm­te sich die Agen­tur mit dem Auf­trag­ge­ber anhand von Mood­boards ab: Gene­ri­sche Gestal­tung, All­tags­de­sign, unbran­ded Packa­ging bis coo­le Fashion Anzei­gen-Ästhe­tik. Die­se Gestal­tungs­mit­tel wur­den ins Cor­po­ra­te Design über­setzt, dass den Punk, der in der Mar­ke Vice steckt, unter­streicht und anti­au­to­ri­tär mit Typo­gra­fie umgeht. Das Logo, eine nüch­ter­ne Hel­ve­ti­ca-Wort­mar­ke wur­de in einer Kam­pa­gne auf wei­ßen Bill­boards zeigt, die wie eine Flag­ge in Kri­sen­ge­bie­ten der Welt oder an struk­tur­schwa­che Orten in den USA auf­ge­stellt und doku­men­ta­risch foto­gra­fiert wur­den. Spä­ter kam der Claim »It’s a TV chan­nel« dazu.

 

Die nächs­te CXI fin­det statt am 15.6.2018.








Text: Christine Wenning | 1.7.2017 | Fotos: Julius Stuckmann | CXI 17